Moderne Familien müssen sich mehr als je zuvor komplexen Anforderungen stellen, wenn es um den Vermögensaufbau und die Verwaltung von Vermögen geht. Ganz alltägliche Probleme werden immer komplexer, komplizierter und, bei falschem Management, kostspieliger als je zuvor. Man kann nicht mehr einfach nur Geld verdienen und auf dem Konto liegen lassen oder dem netten Bankberater um die Ecke vertrauen. Geld muss Vermögen werden und Vermögen muss wachsen.

Das vielleicht wichtigste Asset einer Familie ist jedoch die eigene Familienidentität, ihre Familienräson, ihr Selbstverständnis, ihr Funktionieren als kleinste Einheit der Gesellschaft und intimster Rahmen zwischenmenschlichen Zusammenhalts. In der modernen Zeit ist das Eine wie das Andere nicht mehr selbstverständlich und erhält sich auch nicht mehr von allein.

Das Family Office ist eine mögliche Lösung für alle diese Themen. Ein Family Office muss nicht nur einer vermögenden Dynastie mit dreistelligen Millionenbeträgen auf dem Konto dienen. Das Thema ist auch für das Bürgertum in eher normalen wirtschaftlichen Verhältnissen von Relevanz. Daher sollen nachfolgend einige Gedanken dazu notiert werden.

Die Idee des Family Office

Die Ursprungsidee des Family Office ist es, die privaten Finanzen und Abläufe im Familienleben genauso professionell zu managen wie ein erfolgreiches Unternehmen.

Der Ausgangspunkt ist immer eine Familienmission, die einer Familienvision folgt. Unsere Mission und Vision findet sich sehr traditionell im Familienbrevier. Zusammengefasst könnte man es so sagen:

Die Familie ist die kleinste Einheit der Gesellschaft.
Eine starke Gesellschaft mit einer eigenen, starken, funktionierenden Kultur bedarf starker, funktionierender Familien.

Ein Family Office kümmert sich darum, die nötigen Strukturen und Prozesse zu implementieren.

Vermögensaufbau ist ein Teil der Aufgaben des Family Offices

Eine Anlagestrategie folgt als Teil der Vermögensbildung den Vorgaben der Familienvision. Da es um die Familie geht, muss es eine generationsübergreifende Planung geben, welche neben Bildungs- und Erziehungsaufgaben auch eine generationsübergreifende Strategie zur Vermögensentwicklung als Grundlage einer Familienentwicklung geben muss. Human Capital muss noch viel sorgsamer entwickelt werden als Finanzkapital. Nun muss ein Family Office nicht gleich ein Fam-Tech werden, aber die Idee ist schon zeitgemäß und auch für uns inspirierend.

Der Vermögensaufbau zielt, neben Bildungsrendite und Lebensqualität, auf die wirtschaftliche, im wesentlichen also finanzielle Absicherung der Familienmitglieder. Als libertär eingestellte Familie sehen wir hier im Wesentlichen die Eigenverantwortlichkeit als Basis aller Überlegungen. Der Staat ist kein zuverlässiger Partner und die Heiratspolitik als Mittel für die Wohlstandsmehrung ist auch nur noch bedingt geeignet, gleichwohl sie durchaus eine Komponente ist.

Was ist ein Family Office?

Grundsätzlich ist der Begriff “Family Office” nicht geschützt. Daher gibt es eine Menge Interpretationen des Begriffs und sehr verschiedene Vorstellungen dessen, was die Leute dann draus machen. Das Family Office ist immer auf die Familienentwicklung orientiert, auch wenn das Vermögensmanagement natürlich eine wesentliche Rolle spielt. Anders als in der öffentlichen Wahrnehmung, sind die Hauptaufgabe aber nicht die Vermögensentwicklung und der Vermögensschutz.

Die Unterschiede zwischen dem Family Office und dem traditionellen Vermögensberater sind die intime Kenntnis der familiären Situation und Ziele sowie die Kenntnis und der Kontakt zu externen Dienstleistern ebenso wie die viel weiter reichenden Aufgaben, die einen Vermögensberater gar nicht berühren würden.
Man unterscheidet grob drei Formen von Family Offices:

  • Single Family Offices dienen nur einer Familie. Die Abgrenzung dessen, was man als Familie betrachtet, ergibt sich im Wesentlichen aus dem Stammbaum und kann generationsübergreifend mehrere Stämme der Familie einbeziehen. Das SFO verfolgt keine eigenen wirtschaftlichen Ziele, seine Mitarbeiter sind Angestellte der Familie. Dafür muss man schon etwas Geld haben, denn ein solches Team wirklich guter Leute dauerhaft zu unterhalten ist nicht gratis, deren Infrastruktur auch nicht, zumal diese in der Regel exklusiv genutzt wird. Ein Major Domus kann Teil des SFO sein oder er kann es maßgeblich betreiben.
  • Multi Family Offices dienen mehreren Familien. Man baut leistungsstarke Plattformen für alles Mögliche und stellt diese interessierten Familien zur Verfügung. Die so erreichbare hohe Wiederverwendbarkeit von Konzepten und technischen Lösungen, rechtlichen wie formellen Prozessen uvm. ermöglichen bezahlbare Projekte und Strukturen für anspruchsvolle Familien und Vermögensträger. MFOs kann man ab wenigen Millionen Euro haben, für uns also auch vorerst kein Thema.
  • Das Virtual Family Office ist die Startform eines Family Office und dient wiederum nur einer Familie, oft nur einem Stamm oder gar nur einem Zweig einer Familie. Es ist oft der Startpunkt für Familien, die erst anfangen, eine entsprechende Struktur zu entwickeln. Während das MFO und das voll ausgewachsene SFO in Form eines Unternehmens bereits eine gereifte und funktionierende Struktur mit entsprechendem Durchsatz abbilden, stellt das VFO eine rein organisatorische Struktur innerhalb einer Familie dar, in welcher sich engagierte Familienmitglieder entsprechender Qualifikationen zusammenfinden, um das VFO aufzubauen und perspektivisch entweder an ein MFO zu übergeben oder ein eigenes SFO zu werden. Deren Tätigkeit ist gewissermaßen ehrenamtlich und mündet perspektivisch in eine überschaubare unternehmerische Struktur, üblicherweise eine KG, welche dann die Geschäfte übernimmt und über Generationen weiter wächst. Das VFO ist im einfachsten Fall eine Person in der Familie, die sich um die Koordination aller Dienstleistungen kümmert, welche von externen Dienstleistern erbracht werden. Das VFO tut im ersten Stadium quasi nichts weiter, als Ansprechpartner für die Familie und die Dienstleister zu sein, Aufträge zu erteilen, abzurechnen, zu kontrollieren. Es ist Organisator und Ratgeber. Im Grunde gibt es das in den meisten Familien, wo jemand die Steuererklärung und Buchführung für den Rest der Familie mitmacht oder es einen Patriarch oder eine Matriarchin gibt, wo alle Fäden zusammenlaufen und immer ein Rat zu haben ist.

Aufbau eines Family Office

Das Family Office hat demnach die folgenden Säulen, auf denen es grundsätzlich steht:

  • Team Investment
  • Team Bildung
  • Team Familienservices und Netzwerke
  • Team Zukunft (die mit der Glaskugel)

In der Verantwortlichkeit ist das Family Office nur der eigenen Familie gegenüber verpflichtet. Es wählt Dienstleister, Investmentmöglichkeiten, Bildungsinstitute usw. aus, beauftragt und kontrolliert sie und kümmert sich um auftretende Probleme, Kursänderungen usw. So werden Verluste minimiert, Fehlentwicklungen rechtzeitig erkannt und geeignet entgegen gewirkt. Es werden Gewinne ermöglicht und Sicherheiten hergestellt. Regelmäßiges Reporting ist selbstverständlich.

Die massiven Umbrüche des frühen 21. Jahrhunderts erfordern einen neuen Blick auch auf das klassische Family Office. Die Ziele der Familien ändern sich, junge Menschen können sich nur noch zum Teil mit den traditionellen Themen identifizieren und kommen mit neuen Ideen an den Start, was nicht ohne Spannungen geschehen kann. Die “Drei Zweige” verstehen sich als zeitgemäßes Virtual Family Office mit sehr traditionellem Kern und konservativer Ausrichtung.

Über Geld spricht man eben doch!

Es gibt in Deutschland, und nur hier, den Spruch: “Über Geld spricht man nicht, Geld hat man.” Betrachtet man diese Aussage genauer, findet sich ein fataler Irrtum im Volke. Der ursprüngliche Sinn dieser Weisheit ist es, Demut und Bescheidenheit auch mit einem gewissen Vermögen im Hintergrund zu praktizieren und sich nicht zur Zielscheibe von Neiddebatten, kriminellen Angriffen, Erpressern usw. zu machen. Vielmehr soll man in einem gewissen Selbstverständnis um die eigenen Möglichkeiten wissend diese klug und gesellschaftswirksam einsetzen und natürlich auch die eigenen Bedürfnisse und Wünsche erfüllend ausleben.

Wer Geld hat, kann auch drüber reden, ohne sich selbst dabei zu zelebrieren. Das hat unter anderem den Vorteil, dass man immer wieder Impulse an die Mitmenschen gibt, die ihrerseits damit auch wieder einen Schritt voran kommen und man bekommt Impulse zurück wo man welche hinein gibt. Es eröffnen sich Möglichkeiten und Inspirationen wo man über Geld spricht. Abgesehen davon muss man keinen Reichtum demonstrativ zur Schau stellen, aber wenn man etwas mehr hat, ist das halt auch sichtbar. Man kleidet sich wertiger, fährt vllt ein etwas komfortableres Auto, die Kinder gehen auf teure Schulen und man wohnt nicht in der Plattenbauwohnung. Understatement ist etwas, was man aus guten Manieren heraus angemessen lebt. Old Money Style ist einfach da, man zelebriert ihn nicht.

Zudem wäre Deutschland nicht so völlig bildungsfrei in Sachen Geld und Vermögen, wenn man eben selbstverständlich über Geld reden würde! Einen Anfang kann man im Family Office sehen, was die innerfamiliäre Kommunikation über Geld in einen Rahmen rückt, der ohne Peinlichkeit und ohne Überheblichkeit einen allseits fruchtbaren Austausch ermöglicht. Bildung der Familie ist sehr wichtig. Erziehung zu geeigneten Grundwerten ist wesentlich, denn der Nachwuchs kann jedes noch so große Vermögen in kurzer Zeit verschleudern wenn die Erziehung und Bildung nicht angemessen sind, Vorbilder nicht funktionieren und Partnerwahl nicht als Genpoolwahl verstanden wird.

Es gibt natürlich auch das Prinzip der Diskretion und die Notwendigkeit, in einer Welt voller sozialer Spannungen und immer radikaleren kriminellen Akteuren, die Sicherheit der Familie zu wahren und sie nicht zur Zielscheibe von Erpressern werden zu lassen, Mobbing und Neiddiskussionen zu vermeiden usw. Erfahrungsgemäß ist dies durch Erziehung und die Wahl eines geeigneten sozialen Umfelds möglich.

Family Office ist keine universelle Lösung für jede Familie

Wenn Familien oder Einzelpersonen darüber nachdenken, ob ein individuelles, für die eigene Familie und Situation “maßgeschneidertes” Family Office das Richtige für sie sein könnte, ist es sinnvoll, sich neben den Vorteilen, Kosten und dem Aufwand für die individuell gewünschten Dienstleistungen eines Family Office auch Gedanken darüber zu machen, welche Alternativen es gibt und in welchem Verhältnis Kosten und Nutzen stehen.

Es muss auch die Frage gestellt werden, ob und wie weit sich die Familie als komplexer Organismus auf dieses Unterfangen einlassen kann und will. Nicht zuletzt ist es eine Frage von Selbstverständnis, Intellekt und Bildung, Erziehung und kulturellem Rahmen, ob eine solche Organisation, die letztlich alle Familienmitglieder, auch recht entfernte und oft auch enge Freunde einbezieht, wirklich allgemein verstanden, unterstützt und langfristig als Bereicherung wahrgenommen wird.

Wer keine langfristigen Ziele im Leben hat und wirtschaftlich instabil lebt, wer sein Monatsbudget auf den Euro genau abzirkeln muss, kann zwar von einem besser gestellten Familienzweig profitieren, wird sich selbst aber kein Family Office leisten, weil die Kosten nicht erwirtschaftet werden könnten und damit kein Gewinn erreicht würde. Zumal eine solche Mangelkonstellation prinzipiell keine langfristigen oder gar generationsübergreifenden Gedanken belastbar abbilden kann. Hier muss man zuerst an die eigene Persönlichkeitsentwicklung, die berufliche und persönliche Weiterentwicklung, vielleicht die familiäre Gesamtsituation denken, um die Grundlage für ein freies, selbst bestimmtes Leben aufzubauen.

Der Solidarpakt Familie kann aber auch keine altruistische Selbstbedienung werden. Wie Peter Scholl-Latour schon sagte:

Wer halb Kalkutta aufnimmt hilft nicht etwa Kalkutta,

sondern wird selbst zu Kalkutta!

Das trifft sinngemäß auch für eine Familie zu. Ein Familienzweig kann unterstützt werden, bis er sich für die Teilhabe am Family Office qualifiziert hat. Aber erst, wenn das solide und nachhaltig, dauerhaft und substanziell nachvollziehbar gelungen ist, kann man diesen Zweig erfolgreich und vertrauensvoll ins Gesamtsystem integrieren.

Die Entscheidung für oder gegen ein Family Office fällt also keinesfalls an der zwei- oder dreistelligen Millionengrenze, sondern viel früher in der Mittelschicht. Family Office ist ein Paradigma, kein Dogma. Es ist eine Einstellung, eine Familienkonzeption, eine großartige Chance, aber diese Idee passt nicht in jeden Kopf und lohnt nicht für jede Familie. Wir haben uns dafür entschieden und bauen diese Struktur langfristig auf. Eine Familie wird nicht groß und gut strukturiert, wenn sie keine Basis für Größe und Struktur hat. Ein Family Office kann und muss wachsen. Das beginnt nicht erst bei riesigen Vermögen und clanartigen Großfamilien.

Familie ist ein komplexes System

Familie ist ein vielschichtiges System. Für das Family Office sind unter anderem die folgenden Dimensionen des komplexen Systems Familie relevant:

  • Die wirtschaftliche Seite muss Geld erarbeiten
  • Die finanzielle Seite muss Geld verwalten, vor Verlust schützen und vermehren
  • Die bildende Seite muss sich um die Aus- und Weiterbildung der Familie kümmern, was insbesondere die finanzielle Bildung betrifft, aber auch Gesundheitsbildung gewinnt immer größere Bedeutung und das ganze Next Gen Developement ist ein wachsendes Aufgabengebiet
  • Die Sicherheit ist eine alles umfassende Seite, die gute Beziehungen und eine gewisse Basisbildung im Umgang mit Rechtsfragen ebenso absichert wie die IT Sicherheit und, zunehmend, die Sicherheit im öffentlichen Raum thematisiert.

Vermögensaufbau muss die Kräfte der Familie bündeln

Ein Vermögen aufzubauen erfordert vielfältige Aktivitäten, welche grundsätzlich die ganze Familie betreffen. Manche Familienmitglieder vielleicht mehr, andere weniger, aber im Grunde geht es jeden an. Je besser und weiter die Familie in eine gemeinsame Strategie integriert ist, umso effektiver und effizienter sind die individuellen Wege zu realisieren. Ein gemeinsames Wirken an der familiären Vermögensentwicklung ermöglicht vieles, wofür der Einzelne zu klein ist und manche gute Idee, viel Wissen, wertvolle Kritik und nicht zuletzt die Verteilung von Aufgaben und Verantwortung ermöglichen es, eine Kraft zu entwickeln, die weit über die traditionelle Betrachtung der Welt aus der Perspektive der drei- oder vierköpfigen Kernfamilie heraus.

Von der Wahl des Bildungsweges über berufliche Entscheidungen, Karriereentwicklung, oder die Gründung eines eigenen Start-Ups, die Übernahme eines Familienunternehmens, gemeinnütziges Engagement und das gemeinsame Überstehen von Krisensituationen, welche neben systemimmanenten immer häufiger auch durch staatliches Versagen entstandene Krisen betrifft. Erstere sind in Grenzen vorhersehbar, zweitere nicht. Sicher ist in jedem Falle, dass eine Familie als Ganzes viel mehr Expertise, Aktionsradius und Schlagkraft hat, flexibler, nachhaltige rund damit letztlich sicherer im Krisenmanagement ist.

Familie als Unternehmen

Die effektivste Form, ein Familienvermögen aufzubauen, besteht darin, die Familie als Firma zu betrachten und letztlich auch als solche zu organisieren und zu führen. Dies ist sicher erst ab einem gewissen finanziellen Volumen sinnvoll, weil dieser Aufwand nicht gratis ist. Aber es lohnt sich, diese Form anzustreben. In der Regel ist das Family Office die Firma, welche sich um all die Dinge kümmert und sie geeignet verwalten und absichern kann. Dies bringt durch die Rechtsform der Firma einen gewissen organisatorischen und finanziellen Aufwand mit sich und bedarf einigen Hintergrundwissens.

Aber vergessen wir nie: Ein Familienunternehmen im Sinne eines Family Office etabliert man für Generationen und mehrere, vielleicht alle, Familienstämme die miteinander verwandt sind, nicht vordergründig für ein kinderloses Ehepaar, gleichwohl auch das, insbesondere unter Sicherheitsaspekten, bei ausreichendem Vermögen, durchaus sinnvoll sein kann.

Aufgaben des Family Office

Ein Family Office ist in seiner ausgewachsenen Form ein privat geführtes Büro in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft, welches Dienstleistungen für eine Familie bereitstellt, um sie bei der Bewältigung der Komplexität ihres Lebens zu unterstützen. Meistens hat man zuerst eine GbR, dann eine KG, dann eine GmbH & Co KG, dann die komplexeren Formen wie die Holding, die AG, die Stiftung, was man dann alles auch gut in die Verantwortung eines MFO legen kann.
Wesentliche Aufgabenschwerpunkte eines Family Offices lassen sich vielleicht so gliedern:

  • Vergrößern des finanziellen Vermögens und Schutz des Vermögens vor staatlicher Gier, Inflation und anderen Gaunereien, die zu Vermögensabflüssen führen
  • die langfristigen Ziele der Familie zu unterstützen, familiäre Bedürfnisse verschiedener Art zu verwalten und zu koordinieren bei all ihren Unternehmungen mit einer einheitlichen Strategie.
  • Rechtshilfe durch eigenes Wissen, Best Practices und gute, gebündelte Beziehungen zu guten Anwälten, die nicht nur teure Anzüge herumtragen
  • Hilfe rund um das irrsinnige deutsche Steuersystem, dem man zwar nicht so einfach entkommen kann, aber das noch ein paar Möglichkeiten offen lässt, nicht alles vom Staat plündern zu lassen
  • In besser betuchten Familien geht es dann auch um den eigenen Concierge, da man Geld ja nicht zum Anschauen hat, sondern hier und da auch einen kulturellen Genuss mitnehmen möchte, was jemand organisieren muss

Teams, Partner und Vitamin B sind Schlüssel zum Erfolg

Ein Kerngeschäft des bürgerlichen Family Office ist es, gute Beziehungen zu guten Dienstleistern zu bündeln. So bekommt jeder das Beste zu einem fairen Peis und die Dienstleister freuen sich darüber, eine ganze Familie und vielleicht einen engen Freundeskreis dazu betreuen zu dürfen. Sie erhöhen so den eigenen Umsatz, was Raum gibt, auch mal einen freundschaftlichen Rat ohne Rechnung zu geben oder einen größeren, effizienteren Gedanken zu realisieren.

Das Family Office erspart durch seine Expertise die aufwendige Suche nach Beratern. Ein guter Anwalt, Steuerberater, Arzt usw. ist schwer zu finden und hat man einen, ist er oder sie immer nur so gut wie sein Klient. Das Family Office ist der beste Klient, den eine Familie aufbieten kann. Es steht für Kompetenz und Masse. Beides ist enorm motivierend für eine gute Rechtsvertretung, kreative Steuerbetrachtung und ein etwas größeres Engagement seitens des Hausarztes. Vom Kindermädchen über die Gouvernante bis zum Scheidungsanwalt ist das Family Office ein zentraler Sammelpunkt für Erfahrungen und Know How. Zudem kann es richtungsweisend in der Formulierung und Durchsetzung einer angemessen evolvierenden, zeitgemäßen und dennoch traditionsbewussten Familienräson sein.

Erfahrung, Verbindungen, starke Teams, gute Prozesse, evolvierende best practices und das nicht zu unterschätzende Gefühl, immer einen Anker in einer immer komplexeren Welt zu haben, sind wesentliche Kernkompetenzen und Nutzeffekte eines Family Office. Dass man das nicht universell bieten kann, ist offensichtlich. Daher ist jedes gut funktionierende Family Office eben auch maßgeschneidert für die Familie, der es dient. Das ist teuer, wenn man es extern einrichten will. Was jedoch spricht dagegen in einer halbwegs gebildeten Familie mit ein wenig Geld in der Hand eine solche Struktur selbst zu erschaffen und in ausreichender Näherung abzubilden?

Family Office als formalisierter Generationenvertrag

Es ist ratsam, dass eine Familie ein Family Office in Betracht zieht, wenn ihre Besitztümer zu groß werden, um sie unabhängig zu verwalten, zu komplex, um sie zu überwachen oder zu koordinieren, oder wenn es der Familie ernst wird, ein wertvolles Familienunternehmen aufzubauen, das über Generationen hinweg fortbestehen soll. Ein Family Office ist ein Instrument, das einer Familie höhere finanzielle Erträge, mehr Effizienz und Kontrolle, eine bessere Koordinierung aller Aktivitäten der Familie zur Erfüllung ihrer Wünsche und Umsetzung ihrer Visionen und eine zentralisierte Unterstützung für die generationenübergreifende Kontinuität der Familie ermöglichen kann.

Ein Family Office ist damit auch ein Zentrum für Familienentwicklung, welches stets am Puls der Gesellschaft und aller Generationen sein muss. Die Unterschiede zwischen sicherheitsorientierten Senioren und waghalsigen Kids sind in Umbruchzeiten besonders groß. So ist Oma oft noch unsicher, ob sich dieses Internetzeugs durchsetzt, während die Millenials über KI reden als wäre es die Pest oder Gottes Segen (je nach persönlicher Einsicht und Weltbild) und die Genz Z kann sich gar nicht vorstellen, dass es tatsächlich Gebiete auf der Welt gibt, zum Beispiel ein so genannter Wald, in denen es kein WLAN gibt. Aber da sie auch dort ein dünnes Restsignal von einem Mobilfunkmast bekommen, gibt es TikTok auch dort. Es sind aber auch völlig neue Konflikte in den Wertvorstellungen, die es so noch nie gab, zu bewältigen. Von Ökofaschismus bis Gründerboom, Wohlstandsverwahrlosung bis KI-Angst und endlose andere Baustellen, werden die Familien durch einen unkoordinierbaren Wahn immer schnellerer Informations- und Fakenewsüberflutung, menschengemachter Katastrophen und künstlicher Probleme getrieben. Viele Familien kapitulieren und zerbrechen an Coronawahn und anderen Glaubenskriegen. Ein Family Office kann einen wesentlichen Beitrag zur Beruhigung der Lage und für den Zusammenhalt der Familien über zeitliche, geografische, politische, ideologische, religiöse und sonstige Distanzen leisten.

Die Familie ist selbst verantwortlich dafür, Nachwuchs für das Familienunternehmen als Teil der Unternehmerfamilie zu erziehen und auszubilden. Geld arbeitet nicht. Man kann es nur so geschickt einsetzen, dass es die Vermehrung von Werten effektiv unterstützt. Größenwahnsinniger Nachwuchs ohne Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, mit mangelndem Intellekt oder verschwenderischem Charakter ist ein Risiko für die Erreichung der Familienziele und zugleich vermeidbar. Erziehung und Bildung ist kein Hexenwerk. Erziehung ist Liebe und Vorbild, Bildung ist Formung durch bewusste Leben und Vermitteln von Werten. Zieht ein Clown in einen Palast ein, wird er dadurch kein König, der Palast wird ein Zirkus.

Die erste Generation schafft Vermögen,

die zweite verwaltet Vermögen,

die dritte studiert Kunstgeschichte,

und die vierte verkommt vollends.

(Otto von Bismarck?)

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